Telekom schließt Downloadportale „Musicload“ und „Gamesload“

5. April 2014

Nun wird also Wirklichkeit, was im Januar noch als drohende Gewitterwolke am Himmel der Telekomdienste grummelte: zum 28. Mai werden die Download-Dienste „Musicload“ und „Gamesload“ nach zehnjährigem Bestehen eingestellt. Der dritte gefährdete Dienst, „Softwareload“, konnte dagegen erfolgreich verkauft werden und wird nun von der Firma Nexway betrieben.

Den derzeit vier Millionen Nutzern der beiden Downloaddienste bleibt noch bis Ende Mai Zeit, ihre gespeicherten Daten zu sichern, auch danach besteht weiterhin die Möglichkeit, bereits gekaufte Lieder und Spiele unter „Meine Downloads“ herunterzuladen.

„Musicload“ war 2003 mit 20.000 Titeln als erster deutscher Download-Dienst auf den Markt gegangen, zwei Jahre später folgte „Gamesload“. Das Geschäft ging anfangs gut, doch in den letzten Jahren hatte die Telekom zusehends mit der Konkurrenz zu kämpfen: so bieten die großen Konzerne „Apple“ und „Amazon“ ebenfalls Musik zum Download an und bei den immer mehr boomenden Streaming-Plattformen wie „Spotify“, „Napster“ und „Pandora“ ist es möglich, für eine Monatsgebühr unbegrenzt Musik zu hören. Im Gegensatz dazu musste bei Telekom jeder Titel einzeln bezahlt werden.

Schade, dass die Telekom nicht mehr Mühe darauf verwenden wollte, ihr Angebot kundenfreundlicher zu gestalten und auf den neuesten Stand zu bringen! So werden nach Angaben vom Januar wohl 50 Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben. Eine traurige Bilanz für diese Sparte, die anfangs als wichtiger Punkt in der Musikgeschichte gehypt wurde.

 


High End on Tour in Darmstadt

10. März 2014

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Vom 22. bis 23. Februar öffnete das futuristisch angehauchte Darmstadtium seine Pforten für die achte High End on Tour, die den diesjährigen Turnus eröffnete. Weitere Messen werden in der Schweiz und in Hannover stattfinden.

Wieder einmal boten die Veranstalter ihrem Publikum eine überschaubare, aber hochwertige Auswahl an HiFi-Produkten in professionellem Ambiente. Dabei kam der auch Kundenkontakt durch den Schwerpunkt auf regionalen Händlern nicht zu kurz. Insgesamt standen dem Publikum 20 Aussteller moderner Unterhaltungselektronik -mit dem eindeutigen Schwerpunkt auf akustischem Hörgenuss- zur Verfügung. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen kulinarischen Service, der keine Wünsche offen ließ.

Auch Dacapo Records war mit einem Stand auf der HoT vertreten. Es wurden in der Hauptsache LPs und Zubehör sowie eine Auswahl an audiophilen CDs angeboten. Die Besucher der Messe nutzten dies zu ausgiebigem Schmökern und ließen sich vom Dacapo-Team fachgerecht beraten.

Als Fazit an die Veranstalter der Hot bleibt einem nur zu sagen: weiter so!

Außerdem wurde die Vorfreude auf die „richtige“ High End, die vom 15. bis 18. Mai in München stattfinden wird, angemessen geschürt. Nun, es sind nur noch 65 Tage bis dahin!IMG_0683


Aus dem Leben eines Plattenhändlers: Humoreske über den audiophilen Menschen von heute

7. März 2014

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Ort der Handlung : Darmstadt zu den Tagen der High-End on Tour am Stand eines fränkischen Schallplattenhändlers

Personen der Handlung : zwei nette Mädels (2M) an der Kasse des fränkischen Schallplattenhändlers (fSH), ein audiophiler Besucher (AB) der High-End on Tour und ein hilfsbereiter Schallplatten-Enthusiast (SE) im Dienste eines fränkischen Schallplattenhändlers.

Zeit der Handlung : so ca. nach der Mittagspause

AB hat am Stand des fSH eine für EUR 7,90 angebotenen Stroboskopscheibe in der Hand und betrachtet diese ausgiebig von allen Seiten. Ahnungslosigkeit macht sich breit.

Frage an die 2M : wie geht denn das ?

2M : das wissen wir auch nicht so genau, fragen Sie doch mal die netten Herren im orangen T-Shirt.

AB : aber irgendwie muss das doch funktionieren, kostet ja EUR 7,90

SE  beobachtet die Szene und begibt sich direkt zu AB und den 2M

SE zu AB : kann ich Ihnen helfen ?

AB : wie funktioniert denn das ?

SE : einfach auf den Plattenteller legen, einschalten und mit einer normalen Glühlampe und Wechselstrom beleuchten.

AB : Brauch ich dazu eine besondere Lampe ?

SE : Nein eine normale Haushaltsglühlampe und Wechselstrom genügen. Die Wechselspannung in Deutschland beträgt 50 Hz und die Stroboskop-Markierungen wurden speziell für 50 Hz aufgedruckt.

AB : Bei dem Technics, diesem 1210, ist am Rand extra eine Lampe angebracht damit man das Stroboskop beleuchten kann. Brauch ich da eine besondere Lampe bei ihrer Stroboskopscheibe ?

SE : Nein ein Glühlampe mit Wechselstrom genügt , eine Taschenlampe würde nicht gehen, denn die funktioniert ja mit Gleichstrom.

AB : Aha, also ich brauche nur diese Stroboskopscheibe ?

SE : Ja, und am besten Abends oder Nachts machen wenn es im Zimmer dunkler ist, dann kann man die Markierungen besser ablesen.

AB : D.h. man kann es nur Nachts machen ?

SE : nein Sie können es auch bei Tage machen, müssen Sie halt die Jalousien runterlassen, dann sehen Sie es besser. Was haben Sie den für einen Plattenspieler ? Einen Direktläufer oder einen Riemenläufer ?

AB : Also ich habe so einen mit einem Band außen rum. Der war teuer, von Acoustic Acryl Metal (Name von der Redaktion geändert).

SE : Und Sie denken der läuft zu schnell oder zu langsam ?

AB : Ja zu langsam

SE : wie merken Sie das ?

AB : das höre ich

SE : also viel zu langsam ?

AB : ich habe auch schon versucht zu messen und da habe ich festgestellt das er zu langsam ist

SE : wie haben Sie den gemessen ?

AB : Also ich kann da an so zwei Reglern für jede Geschwindigkeit einstellen ob er schneller oder langsamer läuft

SE : Ja gut, aber wie haben Sie gemessen ?

AB : na ja ohne so eine Stroboskopscheibe dauert mir das jedes mal zu lange

SE : warum ? ? ?

AB : na ja, bis man auf 33 1/3 gezählt hat

SE : wieso zählen Sie auf 33 1/3 ?

AB : na ja, ich muß doch zählen wie oft der Plattenteller sich dreht in einer Minute

SE : Sie zählen die Anzahl der Umdrehungen ?

AB : ja, bis ich 33 1/3  hab in der Minute , dann stimmt er ja wieder – also 1 , 2 , 3  und so weiter bis  33 1/3

SE :  . . . mit der Stroboskopscheibe geht es schneller und einfacher

AB : ah, danke dann überleg ich mir das

. . . da wendet sich SE mit Staunen ab


“Where have all the flowers gone…?”

1. Februar 2014

Pete Seeger

…möchte man Pete Seeger, der vergangenen Montag im Alter von 94 Jahren gestorben ist, ein letztes Mal fragen. Der international erfolg- und einflussreiche Folksänger hatte dieses Lied 1955 auf einer Flugreise geschrieben, inspiriert von einem ukrainischen Volkslied. Er griff dabei die Idee des Kettenliedes auf, in dem der letzte Gedanke einer Strophe in der folgenden Strophe weitergesponnen wird, und nahm mit seinem Text kritisch Stellung zum immer wiederkehrenden Kreislauf des Krieges. Auch das Lied selbst hatte durch die Interpretation durch verschiedenste Künstler eine gewisse Kettenwirkung: es wurde um einige Strophen verlängert und unter anderem von Peter, Paul and Mary, dem Kingston Trio, Hildegard Knef, Juliane Werding, Marlene Dietrich und Reinhard Mey in verschiedenen Sprachen eingespielt und avancierte zu einer internationalen Antikriegshymne.

Dieser Song ist nur ein Beispiel für Seegers politischen und musikalischen Einfluss. Der Künstler, der 1919 in Patterson (New York) als Sohn des Musikwissenschaftlers Charles Seeger und der Geigenlehrerin Constance de Clyver Seeger zur Welt kam, engagierte sich Zeit seines Lebens für Minderheiten, für Bürgerrechte, Freiheit und Frieden. Nach einem abgebrochenen Soziologiestudium an der Harvard University begann er sich mit amerikanischen Volksliedern und Südstaatenblues zu beschäftigen. 1941 gründete er mit Woody Guthrie, Lee Hays und Millard Lampell die Band „The Almanac Singers“, deren erstes Album die Antikriegsplatte „Songs for John Doe“ war. Acht Jahre später begann mit Lee Hays, Ronnie Gilbert und Fred Hellermann die Geschichte von „The Weavers“, die als erste Folk-Band so erfolgreich waren, dass sie sich wochenlang in den amerikanischen Charts halten konnten.

Seeger war auch als Autor und Herausgeber tätig, 1950 erschien die Erstausgabe seines Folk-Magazins „Sing Out!“, das Vorbild für viele weitere ähnliche Formate war, außerdem verfasste er mehrere Bücher über Folkmusik, Balladen und Banjo-Spieltechnik. Seine bevorzugten Instrumente waren  sein Banjo sowie eine zwölfsaitige Akustikgitarre.

Wegen seines politischen Engagements, das unter anderem die Unterstützung der Arbeiterbewegung sowie der Amerikanischen Bürgerrechtsbewegung einschloss, wurde Pete Seeger 1955 vor das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ zitiert, wo er die Aussage verweigerte. Er wurde daraufhin zu zehn Jahren Haft verurteilt und zusätzlich nach der Haft von vielen Medien boykottiert. Dennoch avancierte er in den 60er Jahren durch seinen Einsatz für amerikanische Minderheiten zum Helden des wieder populär werdenden Folks. Mehrmals trat er in dieser Zeit beim Newport Folk-Festival auf, dessen Mitbegründer er auch war.

Seeger engagierte sich auch für Umweltschutz, so war er 1969 Mitbegründer der Umweltorganisation „Clearwater“. Für sein vielseitiges Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Grammy für sein Lebenswerk und den „Freemuse“-Award der gleichnamigen Menschenrechtsorganisation.

Bis ins hohe Alter blieb Seeger musikalisch und politisch aktiv und sang beispielsweise noch 2009 beim „We are one“-Open-Air Konzert anlässlich Barack Obamas Amtseinführung.

Es können wohl nur wenige Künstler von sich behaupten, sich über fast ein Jahrhundert lang gewaltfrei und nur durch das Medium der Musik und der Worte für so elementare Werte wie Freiheit, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit engagiert zu haben. Hut ab vor so viel Idealismus und Durchhaltevermögen! Und danke für eine der schönsten Balladen über eins der grausamsten Menschheitsthemen:

„Where have all the graveyards gone? Gone to flower everyone. When will they ever learn, when will they ever learn?”

 


Totgesagte leben länger – doch leider nicht ewig

29. Oktober 2013

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Im Jahr 2001 schockte die Nachricht von Lou Reeds Tod die Musikwelt. Die angebliche Heroinüberdosis entpuppte sich jedoch kurz darauf als Falschmeldung. Indes, schwer zu glauben fiel diese nicht – Lou Reed war ein extremer Charakter, ein Besessener, der sein ganzes Leben schonungslos zu sich selbst bis zum Äußersten ging. Am Sonntag, den 27. Oktober ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren verstorben (vermutlich an Folgen einer Lebertransplantation) und die Musikwelt trauert.

Reed gründete 1965 zusammen mit dem Waliser John Cale die visionäre Avantgarde-Rockband Velvet Underground mit der er Musikgeschichte schrieb. Kommerziell erfolgreich war diese zwar nie, doch Generationen von Musikern wurden durch sie beeinflußt und beriefen sich auf sie – überschritt sie doch die Grenze vom Rock zur experimentellen Musik, zur Kunst, Literatur und Film. Man denke nur an Andy Warhols “Bananen-Cover” des Debütalbums “The Velvet Underground & Nico” – seit langem ein fester Bestandteil der Popkultur. Reeds provokante Texte über Drogen, Sex und Gewalt, dazu finstere Noisegewitter und Klangexperimente waren keine leichte Kost und ihrer Zeit weit voraus. Velvet Undergrounds Vorreiterrolle, insbesondere für die Punk-Bewegung und Noise-Avantgarde a la Glen Branca oder Sonic Youth, ist heute unbestritten.

Seine Solokarriere begann Lou Reed 1972 nach der Trennung von Velvet Underground. Sein noch im selben Jahr von David Bowie produziertes Album “Transformer” ist ein Klassiker, nicht nur wegen des populären Stücks “Walk On The Wildside”, seinem Durchbruch als Solokünstler. Unermüdlich arbeitete Reed, veröffentlichte unzählige Alben, blieb bis zuletzt dabei musikalische Grenzen auszuloten und kollaborierte mit so unterschiedlichen Musikern und Künstlern wie David Bowie, Laurie Anderson (seiner langjährigen Lebensgefährtin und späteren Frau), Ornette Coleman, Julian Schnabel, Willem Dafoe, Paul Auster, Philip Glass, Jim Jarmusch, Robert Wilson oder Wim Wenders.

Nun ist Lou Reed für immer von uns gegangen, doch sein Werk und sein Leben werden in Erinnerung bleiben.


Nachruf Paul Kuhn

25. September 2013

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Am 23. September verlor die Musikwelt mit Paul Kuhn einen der wichtigsten deutschen Musiker. Über seine durchaus abwechslungsreiche Karriere sagte Kuhn selbst: “Ich habe immer Unterhaltungsmusik gemacht. Und manchmal ist es mir gelungen, ein wenig Jazz einzuschmuggeln.” Na, Paulchen, verkauft sich da nicht jemand ein bisschen unter Wert? Wer die German Jazz Trophy, den German Jazz Award und den Jazz-ECHO für’s Lebenswerk bekommen hat, der hat sicher mehr getan, als “ein wenig Jazz einzuschmuggeln”. Aber klar, das große Geld kann man mit Jazz schon lange nicht mehr machen, und in Deutschland nach dem Krieg konnte man es schon gar nicht. Gut, unter den amerikanischen GIs, für die Kuhn musizierte, musste er zwar nicht mehr fürchten, wegen einer Vorliebe für “entartete Musik” verhaftet zu werden, wie 1943, als er wegen des Todes von Jazzpianist Fats Waller mit einer schwarzen Armbinde durch Wiesbaden lief, aber zum Leben reichte der Jazz trotzdem nicht.

Und dann kam 1954 der langersehnte Plattenvertrag – allerdings als Schlagersänger. “Der Mann am Klavier” ist bei allen Verdiensten um den Jazz wahrscheinlich bis heute Paul Kuhns Erkennungsmelodie. Dicht gefolgt von “Es gibt kein Bier auf Hawaii”. “Musikalische Nullnummern” nannte Paul Kuhn seine Stimmungsschlagerhits später in schonungsloser Selbstkritik. Aber wir wollen mal nicht so sein: einen Schlager schreiben, an den sich die Leute noch 50 Jahre später erinnern können, da gehört schließlich auch einiges dazu. Und die sympathische Art, mit der Paulchen, der kleine Mann am Klavier, sich und seine Musik präsentierte, brachte ihm schnell feste Plätze im Unterhaltungsfernsehen und vor allem als Sidekick der großen Entertainer und Showmaster seiner Zeit ein wie Peter Alexander oder Harald Juhnke.

Der Jazz lief so nebenher, aber durchaus nicht ohne Erfolg, 1968 wurde Kuhn zum Leiter der SFB-Big-Band, gab zuweilen Konzerte in kleineren Combos. Erst 1980 kam der böse Karriereknick: die SFB-Big-Band wurde aus Kostengründen aufgelöst, Kuhns Plattenvertrag gekündigt, seine Ehe ging in die Brüche. Die große Zeit des Schlagers war ohnehin vorbei, also warum nicht einen Neuanfang machen und sich endlich ganz dem Jazz widmen?

Und plötzlich wurde der deutschen Jazzszene klar, dass man den “Mann am Klavier” eine ganze Zeit lang arg unterschätzt hatte. Mit einem klasse Jazztrio, einer eigenen Big Band und diversen All-Star-Combos ging Kuhn immer wieder auf Tour, füllte zusammen mit Max Greger und Hugo Strasser unter dem Titel “Swing-Legenden” Konzertsäle, und mit Platten wie “Blame It On My Youth”, “Live At Birdland” oder “Young At Heart” begeisterte er die Jazzfans.

“Ich habe mit dem Jazz angefangen, und deswegen möchte ich auch gerne alles mit dem Jazz beenden” sagte der inzwischen 85jährige. Dass er sein letztes Album, “The L. A. Session”, in den legendären Capitol Studios in Los Angeles aufnehmen durfte, ist daher ein richtig passender Abschluss für eine große Karriere. Beinahe blind war Kuhn zuletzt, konnte nicht mehr ohne Hilfe auf der Bühne zum Klavier gehen – aber die Finger tanzten über die Tasten wie eh und je. Young at heart eben. Mach’s gut, Paulchen.


Fritz Rau von der Bühne für immer abgetreten.

21. August 2013

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Fritz Rau, der legendäre Konzertveranstalter ist im Alter von 83 Jahren in Kronberg/Taunus gestorben.

Rau war so etwas wie ein Papa für viele Musiker. Er holte Bob Dylan, die Rolling Stones oder Jimi Hendrix nach Deutschland. Er veranstaltete Konzerte für Miles Davis und Marlene Dietrich. Für Blues Fans unvergessen sind die Tourneen mit den von ihm und Horst Lippmann produzierten “American Folk Blues Festivals”.

Seinen 80. Geburtstag feierte er in der ehrwürdigen “Alten Oper” in Frankfurt. Hier verneigten sich vieleMusiker und Bands vor dem lautstarken, aber immer warmherzigen Menschen, darunter Peter Maffay, Udo Lindenberg mit dem Panik-Orchester, Howard Carpendale, die Barrelhouse Jazz Band, United Blues Experience, Inga Rumpf, Nana Mouscouri, Ula Meinicke oder Emil Mangelsdorff. Er schrieb auch eine Autobiographie mit dem Titel “50 Jahre Backstage”.

Die letzten Jahre seines Leben kletterte Rau öfter selbst auf die Bühne und hielt spannende Vorträge, bei denen er sich auch  immer musikalisch begleiten ließ. Jetzt wo er auf die andere Seite der Zeit gewechselt ist darf man darüber rätseln, ob er derzeit im Himmel schon an einer Tournee mit Janis Joplin oder Jim Morrison arbeitet. R.I.P.

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George Duke gestorben

20. August 2013

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„And so that’s really what we do: we are the weavers of dreams.“ (Und das ist es, was wir wirklich machen: wir weben Träume) – das sagte George Duke über die Musikertätigkeit, insbesondere über das Entstehen von Songs. Eine sehr poetische Herangehensweise, die eine Sicht auf Musik eröffnet, die über reine Technik weit hinausgeht.

Der Keyboarder, Sänger und Arrangeur, der 1946 in San Rafael (Kalifornien) geboren wurde, war ein Allroundtalent des Fusion-Jazz und wurde international geschätzt. Er absolvierte ein Bachelorstudium in Posaune, Komposition und Kontrabass, außerdem ein Kompositionsstudium an der San Francisco State University.  Musikalisch beeinflusst von Miles Davis, dem Sound von Les McCann und allgemein von Funk- und Soulmusik, wirkte Duke in verschiedenen einflussreichen musikalischen Formationen des zwanzigsten Jahrhunderts mit: er arbeitete für Frank Zappa (Mothers of Invention), spielte von 1971 bis 1972 im Cannonball Adderley Quintet, außerdem leitete er mit Billy Cobham eine Fusion-Band.

Seit Mitte der 70er Jahre arbeitete Duke auch als Produzent, sein erstes Album war „Sweet Lucy“ von Raul de Souza. Ab 2004 produzierte George Duke mit seinem eigenen Label „BPM“ („Big Piano Music“). Im selben Jahr schrieb er auch die Filmmusik zum Krimi „Never die alone“ von Ernest R. Dickinson. Seine musikalische Vielseitigkeit lässt erahnen, was für eine große Lücke George Duke hinterlässt. Er starb am 5. August in Los Angeles 67-jährig an Leukämie. Seine „dreams“ aber werden bleiben.


Der letzte Schrei bei Universal: Crowdfunding für Schallplatten

5. August 2013

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Wer jetzt zuerst einmal ob des Begriffes „Crowdfunding“ stutzt, dem sei erklärt: es handelt sich hierbei um eine Art der Finanzierung von Projekten oder Produkten, bei der eine Vielzahl von Geldgebern, in der Regel übers Internet, ihr Eigenkapital in Form von stillen Beteiligungen zur Verfügung stellen. Der Tatsache, dass meist sehr viele Kapitalgeber beteiligt sind, trägt auch der deutsche Begriff für diese Art der Finanzierung, „Schwarmfinanzierung“, Rechnung.

Nun will sich auch der Musikkonzern Universal Music dieses Konzeptes bedienen, indem er auf einem Internetportal Vinylalben zur Auswahl stellt, die bei genügend großer finanzieller Beteiligung wieder in Pressung gehen sollen. „The Vinyl Project“ soll dieses Projekt heißen, das den finanziellen Unterstützern nicht nur die frisch gepresste Scheibe, sondern auch das Recht zum Download dieses Albums und einen Druck des Cover-Artworks bieten will.

Im Gespräch für eine Neuauflage sind bisher beispielsweise die Alben „Goodbye Yellow Brick Road“ von Elton John oder „Hysteria“ von Def Leppard.

Für Liebhaber ist das eine äußerst schöne Idee. Nur: wo bleibt die Romantik des Suchens und Wartens, wenn man einfach selbst bestimmen kann, und noch dazu mittels des schnöden Geldes, welche Musik wieder auf den Markt kommt?  Wäre es nicht viel beglückender, die gewünschte, heiß ersehnte Platte auf einem Flohmarkt oder in einem Plattenladen zu finden?

Nun ja, jedem das Seine. Die Verfasserin dieses Artikels jedenfalls wird weiterhin auf die Suche nach abgegriffenen, alten Platten gehen. Und sich über jede weitere Scheibe freuen.


Der Anti-Held des Rock’n’Roll ist gestorben

29. Juli 2013

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In einem Interview sagte J. J. Cale einmal: “Bei meinem Lebenswandel kann ich mir nicht vorstellen, fünfundsiebzig Jahre alt zu werden.” Eine Punktlandung, so zynisch und schwarzhumorig wie manche seiner Songs: J. J. Cale starb am 26. Juli 2013 -  fünf Monate vor seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag.

J. J. Cale gehörte zu den “unberühmten Berühmtheiten”: jeder kennt ihn, kaum jemand weiß etwas über ihn. Musiker wie Mark Knopfler, Eric Clapton, Lynyrd Skynyrd, Deep Purple, Santana, Johnny Cash, Bryan Ferry – sie alle coverten Cales Songs, nannten ihn als eines ihrer Vorbilder – Neill Young  nannte ihn gar in einem Atemzug mit JimiHendrix als besten E-Gitarristen überhaupt. Und doch: Der gewaltige kommerzielle Erfolg seiner Nachahmer blieb Cale meist verwehrt, einschlägige Internet-Lexika wissen meist nur ein paar dürftige Absätze zu seiner Musik und Biographie zu berichten, selbst über seinen vollständigen Namen herrscht Uneinigkeit (John Weldon, oder doch Jean-Jacques?).

Sucht man dort nach treffenden Analysen von Cales ganz eigenem Sound, so tut man sich schwer. Die hybride Mischung aus Blues, Country, Rockabilly und auch ein wenig Jazz wird dann oft mangels passender Kategorien mit der etwas bemühten Bezeichnung “Tulsa Sound” (nach J. J. Cales Geburtsstadt in Oklahoma) benannt. Cale selbst allerdings meinte dazu einmal: “Eigentlich gibt es gar keinen ‘Tulsa Sound’, wir wollten einfach nur Blues spielen, und wussten aber nicht richtig, wie das geht.”

Genau diese Form von Selbstunterschätzung, Understatement und Bescheidenheit war es immer, die Cale auszeichnete, als Person wie als Musiker. Beim Musiker macht sich das in seinem punktgenauen, reduzierten Gitarrenspiel und seinem nasalen, entspannten und unaufgeregten Gesang bemerkbar; beim Menschen J. J. Cale in seinem steten Rückzug aus der Öffentlichkeit, seiner Selbstdarstellung als “Toningenieur und Hobby-Songschreiber” (tatsächlich mischte Cale alle seine Alben selbst ab, und spielte meist auch fast alle Instrumente selbst), seinem Lebensstil in einem alten Wohnwagen, ohne Bankkonto und ohne Rockstar-Allüren.

Aber diesem zurückhaltenden “Hobby-Songschreiber”, der erst mit 33 Jahren sein erstes Solo-Album aufnahm, verdanken wir Songs wie “Cocaine”, “After Midnight” und “Same Old Blues”, und großartige Songwriter-Alben wie “Naturally” oder “Guitar Man”.

Zuletzt war Cale als Gaststar auf Eric Claptons großem Freundeskreis-Album “Old Sock” zu hören, eine kleine Verneigung Claptons vor dem Mann, der ihm seinen größten Hit “Cocaine” geschrieben hatte. Vom Schreiben und Aufnehmen eigener Alben hatte sich Cale zuletzt zurückgezogen. Er hatte geheiratet, den alten Wohnwagen gegen ein kleines Landhaus eingetauscht. Das stille Ende eines stillen Mannes. Was bleibt sind vierzehn tolle Studio-Alben und der Tulsa Sound. Den es ja eigentlich gar nicht gibt.