Leonard Cohen wird 80

24. September 2014

„I heard there was a secret chord…” – einer der bekanntesten Liedanfänge der Popmusik. Ursprünglich komponiert wurde der Song vom kanadischen Singer-Songwriter, Dichter und Schriftsteller Leonard Cohen, der vergangenen Sonntag seinen 80. Geburtstag feierte. Wirklich erfolgreich wurde der Song allerdings erst durch die Interpretation durch andere Künstler wie Jeff Buckley oder John Cale. Dieses Schicksal ereilte einige von Cohens Songs, was der Großartigkeit seines bisherigen Werks aber keinen Abbruch tut.

1934 wurde er als Sohn einer jüdischen Familie in einem Vorort von Montreal geboren. Mit 9 Jahren verlor er seinen Vater. Seine Mutter war sehr musikalisch und mit 13 Jahren lernte Cohen Gitarre spielen, angeblich, um ein Mädchen zu beeindrucken. Bald hatte er erste kleinere Auftritte, konzentrierte sich mit Beginn seiner Studienzeit an der McGill University mehr auf das geschriebene als auf das gesungene Wort. Eigentlich strebte Leonard Cohen nämlich eine Schriftstellerkarriere an, die er 1956 mit dem Gedichtband „Let us compare mythologies“ begann. Zu dieser Zeit hatte er noch nicht einmal die Universität abgeschlossen. Nach ungefähr zehn Jahren, in denen er sich hauptsächlich auf die Schriftstellerei konzentriert hatte und dazu auch in Europa gelebt hatte, kehrte er 1967 mit 23 Jahren nach Amerika zurück und wechselte ins Musikbusiness. Im selben Jahr wurde er auf dem Newport Folk Festival von John Hammond, der für Columbia Records arbeitete, entdeckt. Kurz darauf brachte er sein erstes Album heraus. Viele weitere sollten. Seine Songs zeichneten sich durch eine melancholische, fast schon depressive Stimmung aus. Über die Jahre hinweg beschäftigte er sich in seinen Liedern, die wie Gedichte anmuten, mit verschiedenen Themen, darunter auch Religion und Politik. In den neunziger Jahren wandte sich Cohen ab vom Musikbusiness – überhaupt vom weltlichen Leben – und ging in ein buddhistisches Kloster nahe Los Angeles. Sein Name als Mönch dort war Jikan, was „der Stille“ bedeutet. Nach nur wenigen Jahren entschloss sich Cohen jedoch, die Stille zu verlassen und erneut Musik zu machen. Mit „Ten New Songs“ feierte er 2001 sein Comeback. In den Folgejahren arbeitete er viel mit seiner derzeitigen Freundin und ehemaligen Backgroundsängerin Anjani zusammen, für die er auch Texte schrieb. Leonard Cohen begab sich sogar noch zweimal auf Welttournee, und wurde, ganz zwischendurch, in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Außerdem erhielt er 2011 den Prinz-von-Asturien-Preis für seine Verdienste im Bereich der Geisteswissenschaften und Literatur.

Leonard Cohen hat durch seine Musik Generationen von Menschen beeinflusst, indem er ein Stück Liedkultur weitergab: Lieder, die erzählen. Genau wie sein viel gecovertes, doch nie mit so viel Inbrunst und gleichzeitig leisen Melancholie wie vom Meister selbst interpretiertes „Hallelujah“. Ein Lied, das vielleicht durch all die Covers und Amateurinterpretationen „abgenutzt“ scheinen mag, dessen schlichte und traurige Schönheit aber trotzdem immer wieder zu Tränen rührt, ob man es nun hört oder selbst singt. Wir ziehen unseren Hut vor Leonard Cohen, so wie er es auf der Bühne oft tut, und sagen „Danke“ für alles, was er uns in den bisherigen 80 Jahren schon mit auf den Weg gegeben hat.leonard_cohen


Zum Tod von Joe Sample

17. September 2014

JOE-SampleJoe Sample, Fusion-Jazz-Komponist und –pianist und Mitglied der erfolgreichen Formation „The Crusaders“, verstarb am vergangenen Freitag mit 75 Jahren in Houston (Texas). Auf der Facebookseite des Musikers wurden sowohl sein Tod als auch Termin und Ort der Trauerfeierlichkeiten mitgeteilt, beides stieß auf mitfühlendes und großes Echo.

Sample wurde 1939 in Houston geboren und erlernte schon als Kind das Klavierspiel. Er träumte recht bald von einem Dasein als Jazz-Pianist, begann jedoch ein klassisches Musikstudium. Nach dem Abbruch des Studiums begann er ambitionierter mit der Formation „The Jazz Crusaders“, die aus seinen Collegefreunden Wilton Felder, Wayne Henderson und Stix Hooper bestand, aufzutreten. Ihr erstes Album „Freedom Sound“ nahm die Band 1961 bei Pacific Jazz auf. Der Mix aus Jazz, Soul und Blues verkaufte sich erstaunlich gut, aber ein wirklich großes Publikum konnte die Band noch nicht erreichen. So änderten sie ihren Namen 1971 in “The Crusaders“, um jüngere Zuhörer nicht durch die Kategorie „Jazz“ abzuschrecken. Sie begannen, auch funkige Elemente in ihre Songs aufzunehmen, was ihnen zu größerer Beliebtheit vor allem bei jüngerem Publikum verhalf. Nachdem Wayne Henderson die Gruppe 1976 verlassen hatte, veränderte sich der musikalische Charakter hin zu ruhigeren Nummern, was von der Kritik als zu kuschelig bewertet wurde. Um einen Neuanfang zu machen, beschlossen „The Crusaders“, zukünftige Nummern mit Gesangseinlagen aufzupeppen und taten sich dafür mit bekannten Sängern zusammen. Der größte Erfolg dieser neuen Linie wurde das 1979 veröffentlichte, von Joe Sample mitkomponierte „Street Life“, das vom Gaststar und Newcomerin Randy Crawford interpretiert wurde. Nachdem 1983 auch noch der Drummer Stix Hooper die Formation verließ, kündigte sich langsam ein Ende des gemeinsamen Erfolgs an.

Seit den 80er Jahren arbeitete Joe Sample daher auch als Solokünstler, sein letztes Studioalbum veröffentlichte er im Jahr 2003. Er arbeitete mit vielen Musikern zusammen, unter anderem machte er Aufnahmen mit Nils Landgren, Donald Byrd, Miles Davis, Les McCann und Ella Fitzgerald. Doch Sample hatte nicht den vornehmlichen Drang, selbst im Rampenlicht zu stehen, er arbeitete auch als Studiopianist. So ist er auf Aufnahmen von beispielsweise Diana Ross, Ray Charles und Joni Mitchell zu hören.

Joe Sample wurde als offener, sich selbst treu bleibender Musiker beschrieben. Diese Eigenschaften sowie seine außerordentliche Vielseitigkeit (Bandmitglied, Solokünstler und Studiomusiker für andere Künstler) zeichnen ihn aus. Auch wenn eine soziale Plattform wie Facebook nur indirekt die Wirkung bestimmter Fakten und Menschen auf andere Menschen messen kann, lassen knapp 3500 Kommentare zur Todesnachricht von Joe Sample erahnen, welchen Einfluss er gehabt hat und welch große musikalische Lücke er hinterlassen wird.

 


Zwei einflussreiche und populäre Musiker sind an diesem Wochenende im Juli 2014 gestorben

14. Juli 2014

Zwei einflussreiche und populäre Musiker sind an diesem Wochenende im Juli 2014 gestorben – und auch wenn sie beide musikalisch aus denkbar äußerst unterschiedlichen Gefilden stammten, wird die Musikwelt doch mit beiden um ein ganzes Stück ärmer.

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Am 11. Juli starb Tommy Ramone mit 65 Jahren nach langem Kampf gegen den Krebs in seinem Haus in New York. Er war das letzte noch lebende Gründungsmitglied der legendären Punkband Ramones. Für viele gelten die Ramones als die Erfinder der Punkmusik überhaupt – und an ihrem speziellen Stil und Sound hatte Tommy Ramone wesentlichen Anteil.
Ursprünglich sollte er die Band allerdings nur managen. Dann aber gestand sich Dee Dee Ramone ein, dass er nicht gleichzeitig singen und Bass spielen konnte. Also wurde Drummer Joes Ramone kurzerhand neuer Lead-Sängerm, stellte aber bald fest, dass er wiederum nicht gleichzeitig singen und Schlagzeug spielen konnte. Ein neuer Drummer musste also her. Bandmanager Thomas Erdely – wie der gebürtige Ungar mit bürgerlichem Namen hieß – setzte sich beim Casting für einen neuen Schlagzeuger immer öfter kurz ans Drumset, um den Bewerbern zu demonstrieren, wie die Songs funktionierten – und schnell war klar, dass keiner das Schlagzeug besser zu traktieren wusste, als Erdely selbst. So wurde es Thomas Erdely Tommy Ramone, und sein harter, treibender und rasanter Rock-Beat wurde zum Inbegriff des Punksounds.
Nach nur vier Jahren und Hits wie „Blitzkrieg Bop“ oder „Sheena Is A Punkrocker“ verließ Tommy Ramone die Band wieder – sein geerdeter, regelhafter Lebenswandel passte einfach nicht zum überdrehten Lifestyle der anderen Bandmitglieder, „zu normal“ nannte ihn Dee Dee Ramone. Doch trotz vieler Differenzen blieb Tommy Ramone seinen Ex-Bandkollegen immer mit Respekt verbunden; noch 2007, nachdem die Band in die Rock’n’Roll Hall of Fame eingeführt worden war, sagte er über die anderen drei bereits verstorbenen Gründungsmitglieder: „Sie haben immer alles gegeben was sie geben konnten, bei jeder einzelnen Show. Sie waren keine Typen, die einfach nur Dienst nach Vorschrift gemacht hätten.“
So ein Typ war Ramone selbst auch nicht: auch nach seinem Ausstieg bei den Ramones blieb er kreativ und aktiv im Musikbusiness: als Produzent und Sound-Ingenieur brachte er zahlreiche Alben mit auf den Weg, unter anderem „Tim“ von den Replacements und „Neurotica“ von Redd Kross. Zuletzt versuchte Ramone sich im Bluegrass: „Traditioneller Country und Punk haben eine Menge gemeinsam,“, sagte er, „beide sind enorm geerdet, und beide sind eher handgemacht als einstudiert. Jeder kann sich ein Instrument schnappen und mitspielen.“ Tja, sicher ist, dass mit seinem enormen Einfluss auf den Punkrock Tommy Ramone schon ganze Generationen von jungen aufmüpfigen Musikern dazu gebracht hat, sich einfach ein Instrument zu schnappen und mitzuspielen. Und allein dafür kann man doch nur sagen: Hut ab und vielen Dank, Tommy!

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Am 13. Juli musste die Musikwelt nun Abschied nehmen von einem ihrer ganz Großen: Lorin Maazel, Dirigent und Komponist, starb im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Man wird sich heute kaum noch daran erinnern, aber der Grandsigneur der klassischen Musik begann seine Karriere dereinst als Wunderkind: mit neun Jahren bei der New Yorker Weltausstellung stand der kleine Franko-Amerikaner in kurzen Hosen am Pult, mit einem Dirigentenstab, der fast länger war als der kleine Kerl. Die Kinderschuhe ließ Maazel aber in jeglicher Hinsicht bald hinter sich.

Doch zuerst machte er noch einen dieser kleinen Umwege, von denen die meisten großen Karrieren profitieren: statt aufs Dirigieren verlegte er sich aufs Geigenspiel. Nach vier Jahren Orchesterdienst in den zweiten Violinen beim Pittsburgh Symphony Orchestra verhinderte eine Erkrankung seine Teilnahme an einem Violinwettbewerb – und Maazel besann sich zurück zum Dirigentenpult.

Viele Musiker dankten ihm später diesen kleinen Ausflug in den Orchestergraben: Maazel galt, anders als viele Dirigentenkollegen, im Orchester als „einer von uns“, einer der aus Erfahrung wusste, was ein Musiker von seinem Dirigenten braucht. Sein Dirigat war stets ungeheuer präzise, transparent und eindeutig. Im Konzert verzichtete Maazel auf jeglichen Schnickschnack und jede Show, reduzierte seine Bewegung auf ein Minimum, stand oft lässig ans Geländer gelehnt, nur die nötigsten Zeichen gebend, und ließ dem Orchester freie Bahn. Dafür liebten ihn viele Musiker, und verziehen ihm auch seine enorme Strenge im Probenbetrieb und Detailversessenheit vor allem im Rhythmischen. Das Resultat: Maazels unverkennbarer, brillanter und farbenprächtiger Klang, den jedes Orchester unter ihm plötzlich wie von selbst entwickelte, dabei aber ungeheuer scharf geschnitten und exakt ausgeführt.

Die Liste der Orchester, die Maazel im Lauf seiner langen Karriere als Chefdirigent verpflichteten ist lang – Deutsche Oper Berlin, Cleveland Orchestra, Orchestre National de France, Wiener Staatoper, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – und sie wurde immer länger: selbst mit über 80 Jahren wurde Maazel immer noch engagiert, zuletzt von den Münchner Philharmonikern. Er galt damit nicht nur als einer der ältesten aktiven Spitzendirigenten, sondern auch als einer der teuersten. Zu Recht.

Besonders in Erinnerung bleiben sollte der Maestro aber für sein selbstloses Engagement: mit „Classic Aid“ organisierte er auf eigene Faust ein Benefiz-Event mit klassischer Musik als Pendant zu Bob Geldofs Live Aid, und um sein Castleton Festival zur Förderung junger Künstler zu finanzieren, versteigerte er kurzerhand seine Guadagnini-Geige, die ihn seit seiner Kindheit begleitet hatte.

Lorin Maazel – einer der für die Musik lebte, aber eben auch für andere.


Oscar Peterson in den MSM-Studios

9. Juli 2014

Nicht unerwähnt soll eine Veranstaltung bleiben, die sich im Rahmen der diesjährigen High End-Messe in München zutrug und zu deren illustren Gästen sich glücklicherweise auch Da capo zählen durfte: in den MSM-Studios in der Münchner Theresienstraße fand eine Präsentation zur gerade bei edel erschienenen Oscar Peterson-Box, genauer, zum Remastering-Prozess der Original-MPS-Aufnahmen statt.

Die Gastgeber Dirk Sommer (Netmagazin Hifistatement) und Dirk Mahlstedt (edel:kultur) begrüßen die Gäste.

Die Gastgeber Dirk Sommer (Netmagazin Hifistatement) und Dirk Mahlstedt (edel:kultur) begrüßen die Gäste.

Seit den frühen 60er-Jahren entstanden am Rande des Schwarzwaldstädtchen Villingen im Studio des Musikproduzent Hans Georg Brunner-Schwer unzählige Aufnahmen bei dessen legendären “Hausparties”, deren bloße Erwähnung bis heute Jazzliebhaber ehrfurchtsvoll schwärmen lässt. Jazzgrößen aus In- und Ausland wie Oscar Peterson, Monty Alexander, Count Basie, Ella Fitzgerald, Bill Evans oder Albert Mangelsdorff spielten hier in familiärer Atmosphäre vor einem handverlesenen Publikum und wurden dabei in überragender Qualität aufgezeichnet – selbst wenn zunächst keine spätere Veröffentlichung auf Brunner-Schwers MPS-Label geplant war. Im Januar 2014 erwarb nun edel:kultur die Rechte an umfangreichen MPS-Katalog und kündigte an, diesen unter dem Titel “Reforest The Legend” Stück für Stück wieder zugänglich zu machen – in bestmöglicher audiophiler Qualität, versteht sich.

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Christoph Stickel im MSM-Studio.

Der Grundstein dieser Reihe wurde nun mit der alle sechs MPS-Alben umfassenden Oscar Peterson-Box gelegt und anlässlich deren Veröffentlichung am Samstagabend während der High End in die MSM-Studios geladen. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch die beiden Gastgeber Dirk Mahlstedt (General Manager edel:kultur) und Dirk Sommer (Herausgeber des Netmagazins Hifistatement) ging es auch schon los und die gespannten Zuhörer durften das Innere des Studios betreten, wo Toningenieur Christoph Stickel, bekannt durch etliche ECM-Remasterings (u. a. Keith Jarretts “Köln Concert”), sie bereits erwartete. Zunächst präsentierte dieser eine 1:1-Kopie des Originalbands, welche die klangliche Brillanz der Aufnahme aufzeigte. Doch bereits die Herstellung der ersten Kopie hatte sich als große Herausforderung erwiesen, denn es lagen weder Pilotton noch Unterlagen zur Tonkopfjustage für die Originalbänder vor. Weiter lenkte Stickel bei erneutem Hören die Aufmerksamkeit auf diverse kleinere Fehler, wie ein zu spät eingeschaltete Mikrophone oder das Übersteuern des Basses, und demonstrierte, wie durch heutige Digital-Technik dies alles “behoben” werden konnte. Dies war faszinierend, der Klang nun modern, schnörkellos, doch deutlich war zu spüren, wie sehr sich die Aufnahme nach solch harschen Eingriffen vom Geist der ursprünglichen unterschied.

Christoph Stickel erläutert den Remastering-Prozeß.

Christoph Stickel erläutert den Remastering-Prozeß.

Werktreue war jedoch das oberste Gebot dieses Remasterings und dementsprechend behutsam wurde tatsächlich vorgegangen, bewusst auf Korrekturen verzichtet, um die Authentizität zu wahren. Christoph Stickel verdeutlichte die Unterschiede an Hörbeispielen und beschrieb leidenschaftlich den unglaublichen Aufwand des tatsächlichen vollständig analoge Remastering-Prozesses, den er gemeinsam mit Dirk Sommer betrieben hatte. Überhaupt war allen Beteiligten des Projekts die Liebe an ihrer Arbeit deutlich anzumerken. Dass die Mühe sich mehr als nur gelohnt hat, darin waren sich am Ende alle einig. Tief beeindruckt von der Demonstration ließ man den Abend bei einem gemeinsamen Essen mit vielen audiophilen Gesprächen bis in die späte Nacht ausklingen und freute sich auf viele weitere “Reforest The Legend”-Veröffentlichungen.

 


Verleihung des Echo Jazz 2014 in Hamburg

30. Mai 2014

Monika-Roscher-und-Hubertus-Meyer-Buckhardt-beim-ECHO-Jazz-2014----Credit-Monique-Wuestenhagen-BVMI

Am 22. Mai wurde zum fünften Mal der ECHO Jazz verliehen, diesmal in der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg, nachdem die Trophäen im Jahr zuvor in der Hamburger Fischauktionshalle überreicht worden waren. Bis einschließlich 2015 wird die Verleihung des ECHO Jazz noch in Hamburg stattfinden.

Der von der Deutschen Phono-Akademie und dem Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie 1992 ins Leben gerufene deutsche Musikpreis ECHO wurde 1992 um den ECHO Klassik und 2010 um den ECHO Jazz erweitert. Mittlerweile gehört der ECHO zu den international wichtigsten und renommiertesten Musikauszeichnungen. Mit dem ECHO werden jährlich die erfolgreichsten und besten nationalen sowie internationalen Künstler geehrt.

Der ECHO Jazz wird in 31 Kategorien vergeben. Die Mitglieder der 13-köpfigen Jury aus anerkannten Branchenexperten entscheiden sowohl auf Basis von Kritikermeinungen als auch nach Publikumserfolg. Somit fließt auch die Wertschätzung der Jazz-Käufer in die Wertung mit ein.

Moderiert wurde der diesjährige ECHO Jazz von Hubertus Meyer-Burckhardt. Er verdient sein Geld als Moderator, Fernsehproduzent und Journalist, hat seit 2007 eine Stelle als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und moderiert seit 2008 mit Barbara Schöneberger die NDR-Talkshow.

Dusco-Goykovich-und-Mario-Biondi-beim-ECHO-Jazz-2014----Credit-Monique-Wuestenhagen-BVMI

Besondere Live-Acts dieses Jahr waren die Kollaborationen und Duette von Jazzgrößen, wie es sie vorher noch nie gegeben hatte: so leitete Curtis Stigers die zweistündige Gala zusammen mit einer Bigband aus Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ein, es folgten musikalische Vereinigungen von Peter Fessler mit Lisa Bassenge, Max Mutzke mit Klaus Doldinger sowie des Trompeters Dusko Goykovich mit dem italienischen Sänger Mario Biondi.

Dusko Goykovich war vor seinem Auftritt mit dem ECHO Jazz für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden, den er sichtlich gerührt und unter Standing Ovations entgegennahm.

Es sollen an dieser Stelle nur einige Preisträger dieses Jahres erwähnt werden, für die anderen rufe der geneigte Leser die hompage des ECHO-Jazz, http://www.echojazz.de/jazz-preistraeger-2014/,

auf. Unter anderem geehrt wurden Heinz Sauer und Michael Wollny mit der Auszeichnung für das „Ensemble des Jahres national“, Peter Fessler mit dem Preis für „Sänger/in des Jahres national“ sowie Gregory Porter in der Kategorie „Sänger/in des Jahres international“ für sein Album „Liquid Spirit“. Joachim Kühn wurde in der Kategorie „Instrumentalist/in des Jahres national Piano/Keyboards“ für „Voodoo Sense“ geehrt, Til Brönner erhielt die Trophäe in der Kategorie „Instrumentalist/in des Jahres national Blechblasinstrumente/Brass“. Monika Rascher erhielt die Auszeichnung als „Newcomer des Jahres national“ für ihr Album „Failure in Wonderland“, Caro Emerald wurde in der Kategorie „Bestseller des Jahres“ für „The Shocking Miss Emerald“ geehrt.

Curtis-Stigers-beim-ECHO-Jazz-2014----Credit-Monique-Wuestenhagen-BVMI

Insgesamt ein humorvoll moderierter, von musikalischen Glanzlichtern gespickter Jazz-Abend, der auf weitere solche Verleihungen hoffen lässt!


Eindrücke von der High End in München – Dacapo auf Hochtouren

28. Mai 2014

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Bei der diesjährigen High End Messe für Unterhaltungselektronik, die vom 15. bis zum 18. Mai am MOC-Messegelände in München stattfand, gab es wieder einmal viel zu tun für das Team von Dacapo. Während am ersten Verkaufstag, dem Donnerstag, traditionell nur die Aussteller als Besucher eingelassen wurden und es vergleichsweise ruhig zuging, interessierten sich an den folgenden drei Tagen doch mehr Besucher für Vinyl, CDs und Zubehör. Besonders audiophile CDs gingen dieses JIMG_1325ahr gut über den Ladentisch, auch IMG_1340Johnny Cash-Alben waren sehr gefragt.

Dass die High End mit über 400 Ausstellern aus 40 verschiedenen Ländern die größte und bedeutendste internationale Messe für Unterhaltungselektronik ist, wurde auch durch die von weit her angereisten Besucher eindrucksvoll untermauert. Ob aus Frankreich, England, Österreich, Dänemark, Italien, Ungarn oder gar Asien – die High End scheint einen genügend großen Reiz auszuüben, um Menschen aller Herren Ländern für ein verlängertes Wochenende nach München zu locken. Umso besser, dass die Mitglieder des Dacapo-Teams nicht nur in fränkischer Mundart, sondern auch auf hochdeutsch, englisch, italienisch und französisch einigermaßen kompetent beraten konnten.

Insgesamt strömten rund 18.000 Besucher in die vier gut mit Ständen gefüllten Hallen des MOC-Geländes und ließen sich von der diesjährigen Marken- und Ausstellervielfalt begeistern. Im Vergleich zum letzten Jahr bedeutet dies einen Besucherzuwachs von 10%. Der Anteil der Fachbesucher betrug dabei beächtliche 30%, was die Qualität der Messe unterstreicht.

Neben analogen und digitalen Produkten für den besonderen Hörgenuss wurden viele innovative Systeme, beispielsweise fürs Streaming oder zum Vernetzen mittels Apps, beworben.

Neben den ausgestellten Produkten konnten auch die „Running Acts“, extra für die Messe engagierte, lokale und mobile Musikgruppen begeistern, die durch die Hallen wanderten und sozusagen an jeder Ecke Halt machten, um ein Ständchen zum Besten zu geben. Dabei vermischten sich einigermaßen verwirrende musikalische Eindrücke wie Mozartouvertüren, gespielt von einem Bläserensemble, mit visueller bayerischer Folklore in Form von Lederhosen und Trachtenhemden. Ein Unterhaltungsprogramm, das keine Wünsche offen ließ und auf angenehme Weise daran erinnerte, dass Musik auch live stattfinden kann, bevor sie mittels hochauflösender Technik überhaupt erst wiedergegeben werden kann.

Insgesamt herrschte eine entspannte und offene Stimmung, die auf eine erfolgreiche Fortsetzung dieser Messe der Superlative hoffen lässt. Apropos: Der Termin für nächstes Jahr steht schon fest: vom 14. bis zum 17. Mai 2015 werden sich wieder die Tore der MOC-Hallen für die High End öffnen. Dann heißt es wieder: Platten einpacken, Sonderangebote auszeichnen, orangenes Dacapo-T-Shirt waschen. Die Besucher wollen schließlich wieder „gruschen“ in der gut sortierten Musikauswahl von „Dacapo Schallplatten, Ihrem führenden Fachgeschäft für Vinyl“. Bis nächstes Jahr, es war schön!


Telekom schließt Downloadportale „Musicload“ und „Gamesload“

5. April 2014

Nun wird also Wirklichkeit, was im Januar noch als drohende Gewitterwolke am Himmel der Telekomdienste grummelte: zum 28. Mai werden die Download-Dienste „Musicload“ und „Gamesload“ nach zehnjährigem Bestehen eingestellt. Der dritte gefährdete Dienst, „Softwareload“, konnte dagegen erfolgreich verkauft werden und wird nun von der Firma Nexway betrieben.

Den derzeit vier Millionen Nutzern der beiden Downloaddienste bleibt noch bis Ende Mai Zeit, ihre gespeicherten Daten zu sichern, auch danach besteht weiterhin die Möglichkeit, bereits gekaufte Lieder und Spiele unter „Meine Downloads“ herunterzuladen.

„Musicload“ war 2003 mit 20.000 Titeln als erster deutscher Download-Dienst auf den Markt gegangen, zwei Jahre später folgte „Gamesload“. Das Geschäft ging anfangs gut, doch in den letzten Jahren hatte die Telekom zusehends mit der Konkurrenz zu kämpfen: so bieten die großen Konzerne „Apple“ und „Amazon“ ebenfalls Musik zum Download an und bei den immer mehr boomenden Streaming-Plattformen wie „Spotify“, „Napster“ und „Pandora“ ist es möglich, für eine Monatsgebühr unbegrenzt Musik zu hören. Im Gegensatz dazu musste bei Telekom jeder Titel einzeln bezahlt werden.

Schade, dass die Telekom nicht mehr Mühe darauf verwenden wollte, ihr Angebot kundenfreundlicher zu gestalten und auf den neuesten Stand zu bringen! So werden nach Angaben vom Januar wohl 50 Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben. Eine traurige Bilanz für diese Sparte, die anfangs als wichtiger Punkt in der Musikgeschichte gehypt wurde.

 


High End on Tour in Darmstadt

10. März 2014

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Vom 22. bis 23. Februar öffnete das futuristisch angehauchte Darmstadtium seine Pforten für die achte High End on Tour, die den diesjährigen Turnus eröffnete. Weitere Messen werden in der Schweiz und in Hannover stattfinden.

Wieder einmal boten die Veranstalter ihrem Publikum eine überschaubare, aber hochwertige Auswahl an HiFi-Produkten in professionellem Ambiente. Dabei kam der auch Kundenkontakt durch den Schwerpunkt auf regionalen Händlern nicht zu kurz. Insgesamt standen dem Publikum 20 Aussteller moderner Unterhaltungselektronik -mit dem eindeutigen Schwerpunkt auf akustischem Hörgenuss- zur Verfügung. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen kulinarischen Service, der keine Wünsche offen ließ.

Auch Dacapo Records war mit einem Stand auf der HoT vertreten. Es wurden in der Hauptsache LPs und Zubehör sowie eine Auswahl an audiophilen CDs angeboten. Die Besucher der Messe nutzten dies zu ausgiebigem Schmökern und ließen sich vom Dacapo-Team fachgerecht beraten.

Als Fazit an die Veranstalter der Hot bleibt einem nur zu sagen: weiter so!

Außerdem wurde die Vorfreude auf die „richtige“ High End, die vom 15. bis 18. Mai in München stattfinden wird, angemessen geschürt. Nun, es sind nur noch 65 Tage bis dahin!IMG_0683


Aus dem Leben eines Plattenhändlers: Humoreske über den audiophilen Menschen von heute

7. März 2014

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Ort der Handlung : Darmstadt zu den Tagen der High-End on Tour am Stand eines fränkischen Schallplattenhändlers

Personen der Handlung : zwei nette Mädels (2M) an der Kasse des fränkischen Schallplattenhändlers (fSH), ein audiophiler Besucher (AB) der High-End on Tour und ein hilfsbereiter Schallplatten-Enthusiast (SE) im Dienste eines fränkischen Schallplattenhändlers.

Zeit der Handlung : so ca. nach der Mittagspause

AB hat am Stand des fSH eine für EUR 7,90 angebotenen Stroboskopscheibe in der Hand und betrachtet diese ausgiebig von allen Seiten. Ahnungslosigkeit macht sich breit.

Frage an die 2M : wie geht denn das ?

2M : das wissen wir auch nicht so genau, fragen Sie doch mal die netten Herren im orangen T-Shirt.

AB : aber irgendwie muss das doch funktionieren, kostet ja EUR 7,90

SE  beobachtet die Szene und begibt sich direkt zu AB und den 2M

SE zu AB : kann ich Ihnen helfen ?

AB : wie funktioniert denn das ?

SE : einfach auf den Plattenteller legen, einschalten und mit einer normalen Glühlampe und Wechselstrom beleuchten.

AB : Brauch ich dazu eine besondere Lampe ?

SE : Nein eine normale Haushaltsglühlampe und Wechselstrom genügen. Die Wechselspannung in Deutschland beträgt 50 Hz und die Stroboskop-Markierungen wurden speziell für 50 Hz aufgedruckt.

AB : Bei dem Technics, diesem 1210, ist am Rand extra eine Lampe angebracht damit man das Stroboskop beleuchten kann. Brauch ich da eine besondere Lampe bei ihrer Stroboskopscheibe ?

SE : Nein ein Glühlampe mit Wechselstrom genügt , eine Taschenlampe würde nicht gehen, denn die funktioniert ja mit Gleichstrom.

AB : Aha, also ich brauche nur diese Stroboskopscheibe ?

SE : Ja, und am besten Abends oder Nachts machen wenn es im Zimmer dunkler ist, dann kann man die Markierungen besser ablesen.

AB : D.h. man kann es nur Nachts machen ?

SE : nein Sie können es auch bei Tage machen, müssen Sie halt die Jalousien runterlassen, dann sehen Sie es besser. Was haben Sie den für einen Plattenspieler ? Einen Direktläufer oder einen Riemenläufer ?

AB : Also ich habe so einen mit einem Band außen rum. Der war teuer, von Acoustic Acryl Metal (Name von der Redaktion geändert).

SE : Und Sie denken der läuft zu schnell oder zu langsam ?

AB : Ja zu langsam

SE : wie merken Sie das ?

AB : das höre ich

SE : also viel zu langsam ?

AB : ich habe auch schon versucht zu messen und da habe ich festgestellt das er zu langsam ist

SE : wie haben Sie den gemessen ?

AB : Also ich kann da an so zwei Reglern für jede Geschwindigkeit einstellen ob er schneller oder langsamer läuft

SE : Ja gut, aber wie haben Sie gemessen ?

AB : na ja ohne so eine Stroboskopscheibe dauert mir das jedes mal zu lange

SE : warum ? ? ?

AB : na ja, bis man auf 33 1/3 gezählt hat

SE : wieso zählen Sie auf 33 1/3 ?

AB : na ja, ich muß doch zählen wie oft der Plattenteller sich dreht in einer Minute

SE : Sie zählen die Anzahl der Umdrehungen ?

AB : ja, bis ich 33 1/3  hab in der Minute , dann stimmt er ja wieder – also 1 , 2 , 3  und so weiter bis  33 1/3

SE :  . . . mit der Stroboskopscheibe geht es schneller und einfacher

AB : ah, danke dann überleg ich mir das

. . . da wendet sich SE mit Staunen ab


“Where have all the flowers gone…?”

1. Februar 2014

Pete Seeger

…möchte man Pete Seeger, der vergangenen Montag im Alter von 94 Jahren gestorben ist, ein letztes Mal fragen. Der international erfolg- und einflussreiche Folksänger hatte dieses Lied 1955 auf einer Flugreise geschrieben, inspiriert von einem ukrainischen Volkslied. Er griff dabei die Idee des Kettenliedes auf, in dem der letzte Gedanke einer Strophe in der folgenden Strophe weitergesponnen wird, und nahm mit seinem Text kritisch Stellung zum immer wiederkehrenden Kreislauf des Krieges. Auch das Lied selbst hatte durch die Interpretation durch verschiedenste Künstler eine gewisse Kettenwirkung: es wurde um einige Strophen verlängert und unter anderem von Peter, Paul and Mary, dem Kingston Trio, Hildegard Knef, Juliane Werding, Marlene Dietrich und Reinhard Mey in verschiedenen Sprachen eingespielt und avancierte zu einer internationalen Antikriegshymne.

Dieser Song ist nur ein Beispiel für Seegers politischen und musikalischen Einfluss. Der Künstler, der 1919 in Patterson (New York) als Sohn des Musikwissenschaftlers Charles Seeger und der Geigenlehrerin Constance de Clyver Seeger zur Welt kam, engagierte sich Zeit seines Lebens für Minderheiten, für Bürgerrechte, Freiheit und Frieden. Nach einem abgebrochenen Soziologiestudium an der Harvard University begann er sich mit amerikanischen Volksliedern und Südstaatenblues zu beschäftigen. 1941 gründete er mit Woody Guthrie, Lee Hays und Millard Lampell die Band „The Almanac Singers“, deren erstes Album die Antikriegsplatte „Songs for John Doe“ war. Acht Jahre später begann mit Lee Hays, Ronnie Gilbert und Fred Hellermann die Geschichte von „The Weavers“, die als erste Folk-Band so erfolgreich waren, dass sie sich wochenlang in den amerikanischen Charts halten konnten.

Seeger war auch als Autor und Herausgeber tätig, 1950 erschien die Erstausgabe seines Folk-Magazins „Sing Out!“, das Vorbild für viele weitere ähnliche Formate war, außerdem verfasste er mehrere Bücher über Folkmusik, Balladen und Banjo-Spieltechnik. Seine bevorzugten Instrumente waren  sein Banjo sowie eine zwölfsaitige Akustikgitarre.

Wegen seines politischen Engagements, das unter anderem die Unterstützung der Arbeiterbewegung sowie der Amerikanischen Bürgerrechtsbewegung einschloss, wurde Pete Seeger 1955 vor das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ zitiert, wo er die Aussage verweigerte. Er wurde daraufhin zu zehn Jahren Haft verurteilt und zusätzlich nach der Haft von vielen Medien boykottiert. Dennoch avancierte er in den 60er Jahren durch seinen Einsatz für amerikanische Minderheiten zum Helden des wieder populär werdenden Folks. Mehrmals trat er in dieser Zeit beim Newport Folk-Festival auf, dessen Mitbegründer er auch war.

Seeger engagierte sich auch für Umweltschutz, so war er 1969 Mitbegründer der Umweltorganisation „Clearwater“. Für sein vielseitiges Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Grammy für sein Lebenswerk und den „Freemuse“-Award der gleichnamigen Menschenrechtsorganisation.

Bis ins hohe Alter blieb Seeger musikalisch und politisch aktiv und sang beispielsweise noch 2009 beim „We are one“-Open-Air Konzert anlässlich Barack Obamas Amtseinführung.

Es können wohl nur wenige Künstler von sich behaupten, sich über fast ein Jahrhundert lang gewaltfrei und nur durch das Medium der Musik und der Worte für so elementare Werte wie Freiheit, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit engagiert zu haben. Hut ab vor so viel Idealismus und Durchhaltevermögen! Und danke für eine der schönsten Balladen über eins der grausamsten Menschheitsthemen:

„Where have all the graveyards gone? Gone to flower everyone. When will they ever learn, when will they ever learn?”