Nachtrag Bardentreffen 2015

19. August 2015

Vom 30. Juli bis 2. August fand in Nürnberg zum 40. Mal das Bardentreffen statt – seit jeher ein Treffpunkt professioneller Singer-Songwriter, Weltmusiker und “Laien”-Straßenmusiker.

Letztere Gruppe wird in den letzten Jahren leider immer homogener und lauter: meist sind es Rock-Pop-Bands, die ihre gesamte Bandausrüstung samt Verstärker auf die Straße verlegen. Was ist passiert mit den weltvergessenen Barden, die am Straßenrand wehmütig ihre Songs schmetterten? Brauchen sie heute alle ein Mikro, um gehört zu werden? Findet die Straßenmusik ohne Verstärkung keine Zuhörer mehr? Kann ein Lovesong-schmetternder Halbstarker mit Gitarre nicht ohne Mikrofon singen und trotzdem die Herzen aller Mädchen brechen (wahlweise auch gewinnen…)?
Selbst für den wohlwollenden Zuhörer muss es eine akustische Qual gewesen sein, an jenem Wochenende durch die Innenstadt Nürnbergs zu flanieren: An jeder Ecke dröhnte und hämmerte es, selten waren Unplugged-Formationen, deren Darbietung wesentlich unaufdringlicher ist. Wo bleibt die angeblich “mediterrane Lebenslust”, auf der Homepage des Bardentreffens propagiert, wenn die Musiker, die unverstärkt spielen, zwei Stunden nach einem Platz suchen müssen, wo sie nicht rechts und links von Verstärkern übertönt werden? Erlaubt sei nur die Stromversorgung mit Akkumulatoren für einen akustischen Verstärker bis zu einer Leistung von 50 Watt pro Einzelmusiker oder Gruppe. Diese Vorgabe wurde selten eingehalten und selten beanstandet. Ebenso die Limitierung von 90 min pro Standort, an die sich jede Straßenmusik-Gruppe halten sollte. Wo bleibt da die Fairness?
So schön ein kostenloses Musikfestival mit internationalen Größen ist, man sollte dabei nicht “die kleinen Leute” dieser Veranstaltung vergessen, die das Bardentreffen zu dem machen, was es ist: die Barden am Straßenrand. Bei all dem Organisationsaufwand, der betrieben wird, um die großen Bühnen reibungslos mit bekannten Bands zu bestücken, sollten sich die Veranstalter nicht zu schade sein, für eine faire und vor allem wohlklingende Atmosphäre unter den Straßenmusikern zu sorgen.


Max Greger tot

19. August 2015

Max Greger, Jazz-Saxophonist und Bandleader, ist tot. Er erlag in der Nacht auf vergangenen Samstag, am 15. August, einer Krebserkrankung, die erst vor kurzem diagnostiziert worden war.
Bis zuletzt stand er auf der Bühne – laut seiner Frau das letzte Mal Mitte Juli. Sein Motto war „warum aufhören, wenn mich das Publikum hören will?“. Offensichtlich auch noch im hohen Alter mit Spaß bei der Sache, begeisterte Greger durch Auftritte mit zwei anderen „alten Jazz-Herren“, Hugo Strasser und Paul Kuhn.

Greger wurde am 2. April 1926 in München geboren. Er sollte eigentlich den elterlichen Metzgerladen übernehmen, entschied sich aber – wohl auch dank des vom Großvater geschenkten Akkordeons – für eine Karriere in der Musik. Er besuchte ein Konservatorium und aGreger_2005bsolvierte ein Studium der Klarinette und des Saxophons. Zum Ende des Krieges wurde er noch eingezogen, begann nach Kriegsende, in Offizierscasinos aufzutreten.
1948 gründete er sein erstes eigenes Ensemble, spielte neben Jazz auch Volksmusik für den Bayerischen Rundfunk. Bald stand er mit Jazz-Größen wie Duke Ellington und Louis Armstrong auf der Bühne und machte sich auch durch seine fünfwöchige Tournee durch die Sowjetunion zusammen mit Maria Hellwig und Udo Jürgens international einen Namen.
1963 unterzeichnete Max Greger einen Vertrag als Bandleader der Big Band des ZDF. Mit dieser spielte er den legendär gewordenen Titel „Up to date“ für das „Aktuelle Sportstudio“ ein.
Meist spielte Greger in seiner Big Band Saxophon, wusste sich gut in die Reihe seiner Mitspieler einzufügen, was für einen Leader nicht selbstverständlich ist.
Parallel zum Jazz war Greger stets in der Volksmusik unterwegs, spielte in Sendungen wie „Vergißmeinnicht“ oder „Musik ist Trumpf“ schmalzig-schöne Melodien und schuf sich so ein „zweigleisiges“ Image.

Max Greger bleibt allerdings vor allem durch seine Jazz-Interpretationen in Erinnerung. Mit „dirty notes“ wusste er seine Stücke aufzupeppen, wie es vorher im Nachkriegsdeutschland noch nicht getan worden war. Nicht nur für die Musik, auch für die Aufbruchsstimmung in den 50er Jahren war dies ein bedeutsamer Impuls: wenn es funktioniert, warum nicht einmal eine „dreckige“ Note spielen, die nicht so ganz passt?! Solange etwas Gutes dabei rauskommt…
Greger wird in der deutschen und internationalen Musiklandschaft eine schmerzliche Lücke hinterlassen.


Mastering-Legende Stan Ricker ist im Alter von 79 Jahren verstorben

20. Juli 2015

Stan-RickerNur wenige Monate nach dem Tod von Doug Sax verläßt uns ein weitere Mastering-Legende: Am 14. Juli erlag Stan Ricker seiner Krebserkrankung.

Stan Ricker erblickte am 14. Dezember 1935 in Marblehead, Massachusetts das Licht der Welt. Mit Musik und Tontechnik kam er denkbar früh in Berührung. So erzählte ihm seine Mutter, dass er sich bereits als Dreijähriger auf der Wilcox Gay Recordio-Maschine eines Onkels, einem Klarinettenspieler, beim Singen aufnahm. Nachdem seine Familie nach Banockburn, Illinois gezogen war, begann der damals zehnjährige Rick sowohl Tuba als auch Kontrabass zu erlernen. Der Tatsache, dass er sich selbst auch stets als Musiker sah, ist es vermutlich geschuldet, dass er die technischen Möglichkeiten eines Studios nie zum Selbstzweck verwendete, sondern immer nach den Bedürfnissen der jeweiligen Musik. Größere Bekanntheit erlangte er schließlich durch seine Entwicklung des Half-Speed-Masterings, einem Verfahren, mit dem Ricker beispielsweise alle frühen MFSL-Veröffentlichungen masterte. Sein berühmtes Kürzel “SR/2″ (Stan Ricker Halftime) in der Matrix mancher LP zeugt hiervon. Ricker widmete sein Leben der Perfektionierung des Vinyl-Sounds und erzeugte bis zuletzt Schnitte im eigenen Studio. Im Laufe seines Lebens arbeitete er für unzählige Labels wie Acoustic Productions, Columbia Records, Crystal Clear, Delos, Diskwasher, JVC, Klavier, London, Mobile Fidelity, MCA, Phillips, Pure Audiophile, RCA, Reference Recordings, Telarc, Telefunken, TL Records, V2 Records, Warner Bros und Windham Hill – um nur einige zu nennen. 1981 wurde er zum “Disk Cutting Engineer Of The Year” gewählt, 1984 zum “Recording Engineer Of The Year”. Nun ist Stan Ricker für immer von uns gegangen. Wir werden ihn vermissen. Ruhe in Frieden, Rick.


Der Blues lebt…Blues Dance und Swing im Raum Erlangen-Nürnberg

28. Juni 2015

Wer glaubt, dass es Blues nur noch auf LPs und Konzerten zu hören gibt, irrt. Seit einigen Jahren wächst in der Metropolregion Nürnberg nämlich die Swing-Dance Community, wozu z.B. Lindy Hop und Blues Dance zählen. Neben festen Kursen im Unisport und der Katholischen Hochschulgemeinde Erlangen (KHG http://www.khg-erlangen.de/veranstaltungsdetails/regelmaessiges/lindy-hop-anfaengerkurs.html) gibt es regelmäßige Swing-Abende in Erlangen (E-werk) und Fürth (Kofferfabrik, http://www.thatswing.de/thatcottonclub) , auf denen fleißig getanzt wird. Schnuppert man einmal hinein in die bluesig-swingende Luft dieser Community, kann man sich ihr kaum noch entziehen. Man trifft die gleichen Leute bei verschiedenen Events, weil sich keiner, der dem Swing und Blues verfallen ist, ein Event entgehen lassen will…

Blues, was ist das eigentlich? Ein Lebensgefühl, eine Musikrichtung, eine Attitüde? Es ist alles miteinander, getragen von einer langen Tradition und großer Kreativität. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts entstand der Blues in den USA als Unterhaltungsmusik der Afro-Amerikaner aus den Südstaaten. Blues enthält Elemente europäischer, karibischer und afrikanischer Musik und dreht sich oft um „blue moods“, d.h. traurige Anlässe um Musik zu machen. Allen voran natürlich die (unerwiderte) Liebe. Ein sehr swingendes Beispiel dafür: Eyeryday I have the blues…https://www.youtube.com/watch?v=NZpevSkpLiI. Unzählige Musiker widmeten ihr Leben dem Blues, entwickelten ihn weiter und hielten ihn lebendig. Einige hübsche Hörbeispiele für den neugierigen Leser: https://www.youtube.com/watch?v=hRu7Pt42x6Y https://www.youtube.com/watch?v=9VxYAAe6CdI

Ach ja, das Beste zum Schluss: was steht auf dem Grabstein eines Bluesmusikers? Richtig, „I didn’t wake up this morning…“


James Last gestorben

14. Juni 2015

Vergangenen Dienstag starb James Last, als Hans Last 1929 in Bremen geboren, in Florida. Als Todesursache wurde Organversagen angegeben. Last hatte seit 1980 in Florida gelebt, vorher hatte er lange Zeit in Deutschland als Bandleader, Arrangeur und zu Beginn seiner Karriere als Jazz-Bassist gearbeitet. Ab 1950 wurde er dreimal in Folge vom Herrenmagazin „Die Gondel“ zum besten Jazzbassist gekürt. 1955 wurde er als Bassist für die NWDR Big Band engagiert, in der er zehn Jahre spielte, bevor er sich bei Polydor einen eigenen Namen machte. Von diesem Label erhielt er auch den Künstlernamen „James Last“, den er fortan verwendete. Markenzeichen auf den LPs bei Polydor war außerdem die „Schattenschrift“, mit der Lasts Namenszug unterlegt war.
JAMES LASTJames Last begründete mit seinen Streicher-lastigen Arrangements den „Happy Sound“, den er mit dem James Last Orchestra in die ganze Welt exportierte. Tourneen und Auftritte in Kanada, den USA, UDSSR, Asien und Großbritannien belegen den großen Erfolg des Orchesters. Kennzeichen von Lasts Sound waren reduzierte und geschickte Arrangements mit viel Streicherklang und eine hörtechnisch perfekt ausgeklügelte Aufstellung des Orchesters (z.B. Stereo-Trompetenklang von zwei Seiten). Last verkaufte in seinem Leben mehr als 80 Millionen Tonträger und war damit bei Polydor zeitweise für ca. 30% der Verkäufe verantwortlich. 17mal erhielt er Platin, 207mal die Goldene Schallplatte.
Auch in der Filmmusikbranche war er begehrt: er schrieb unter anderem den Soundtrack für „Der Kapitän“ mit Heinz Rühmann und die 2007 erschienene Komödie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Leander Haußmann.
Kritiker bezeichneten den „Happy Sound“ als „akustischen Milchbrei“, wie auch immer man ihn aber nennen mag, Fakt ist: mit diesem Sound begründete der Musiker großen kommerziellen Erfolg auf der ganzen Welt, er traf damit den Nerv der Zeit. Und was kann man als Musiker Tighteres erreichen als den Puls der Zeit mitzuspielen?


High End 2015

23. Mai 2015

Auch auf der diesjährigen High End, die in München im MOC vom 14. Bis 17. Mai stattfand, war DaCapo mit einem gut sortierten Stand vertreten. Neben LPs wurden auch audiophile CDs und Zubehör für Plattenspieler etc. angeboten. Am Freitag, den 15. Mai besuchten erstaunlicherweise mehr Einkaufswütige den Stand als an den folgenden Wochenendtagen. Doch auch am Wochenende waren die Mitarbeiter, vor allem die Verkaufsberater, von DaCapo gefragt. Viele Kunden ließen sich bei der Auswahl der Platten sowohl inhaltlich als auch technisch beraten. Auch auf unspezifische Wünsche wie „Schlagzeug-CD“ oder „Was ruhiges mit Frauenstimmen“ gingen die Mitarbeiter mit Eifer ein.
Gut verkauft wurde in diesem Jahr eine relativ neue Platte mit Lieblingssongs von Jeanne Carroll auf lila Vinyl, die vom Blues-Gitarristen Wolfgang Bernreuther begleitet und aufgenommen worden war. Auch die Neue von Friedemann ging gut über den Tisch. Viele Kunden griffen auch zu den audiophilen Platten und CDs von Foné, vor allem die „Concerti“ von Paolo Conte hatten es einigen angetan.
Die Vielfalt des Angebots – von Rock/Pop über Blues, Jazz und Klassik – lockte dementsprechend unterschiedliches Publikum. Besonders im Gedächtnis blieb eine Teenagerin, die ihrer Mutter das Geld für die neue AC/DC Platte aus dem Kreuz leierte (O-Ton Mutter: „Das reicht dann aber…“). Daneben kauften auch gut betuchte Sammler oder musikalische „Einzeltäter“, die nur nach bestimmten Künstlern suchten, ein.
Auch Live-Performances bei verschiedenen Ausstellern waren dieses Jahr beliebt. So spielte der DaCapo – Freund Wolfgang Bernreuther sowohl mit seiner Blues-Formation „United Blues Experience“ als auch alleine auf verschiedenen Kleinbühnen innerhalb des MOC. Dies trug zur Erhaltung der Lebendigkeit bei auf einer Messe, die eigentlich nur auf die optimale Musikdarbietung mittels HiFi-Geräten abzielt und nicht so sehr auf die eigentliche Qualität von Musik. Da die Live-Auftritte (auch anderer lokaler Künstler und Formationen) großen Anklang fanden, wird diese Tradition im nächsten Jahr hoffentlich fortgeführt.
Insgesamt waren es vier arbeitsreiche, interessante und vielfältige Tage, die das Team von DaCapo in München zubrachte. Auf ein Neues im nächsten Jahr 2016!

 

 


The night has come…

3. Mai 2015

Ben E. King, der Interpret des legendär gewordenen “Stand by me” von 1961, ist am vergangenen Donnerstag, den 30. April, verstorben. Er litt an Herzproblemen, so sein Agent.
„Stand by me“ war King’s größter Solo-Hit, nachdem er sich 1960 von den Drifters getrennt hatte. 1958 hatte sich der in Henderson, North Carolina, gebürtige Sänger der Doo-wop-Gruppe angeschlossen, die damals noch den Namen „Five Crowns“ trug. Die Gruppe übernahm den Bandnamen „Drifters“, nachdem die Originalmitglieder der Band von ihrem Manager George Treadwell gefeuert worden waren. In den folgenden zwei Jahren nahm Ben E. King mit den Drifters 13 Songs auf, 11 davon als Leadsänger. Darunter waren z.B. „There goes my baby“ und „Save the last dance for me”.
1960 begann Ben E. King seine Solokarriere und startete mit der BaBen E. Kingllade “Spanish Harlem”. Seine nächste Single, „Stand by me“, wurde sein größter Erfolg, sein Name wurde untrennbar mit diesem Song verbunden. Später wurde der Song von der Recording Industry Association of America in die „Songs of the Century“ aufgenommen. 1986 wurde er als Soundtrack für den US-amerikanischen Jugendfilm “Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“ verwendet, was dem Song ein Comeback bescherte. Ende der 70er Jahre wurde es ruhiger um King, er trat noch vereinzelt in Shows auf. 2013/2014 ging er noch einmal in Großbritannien und den USA auf Tour und widmete sich ansonsten seiner Stand By Me Foundation, einer Stiftung zur Bildungsförderung bedürftiger Jugendlicher.
Mit Ben E. King geht eine der schönsten und ausdrucksvollsten Stimmen des R’n’B verloren, die den Menschen Gänsehaut zaubern konnte.


Echo-Verleihung 2015 in Berlin: Gewinner und mehr…

7. April 2015

Zum 24. Mal fand am 26. März die Verleihung des Echo der Deutschen Phono-Akademie in Berlin statt.
Helene Fischer räumte als große Gewinnerin des Abends gleich vier Trophäen ab: in der Kategorie „Album des Jahres“ für „Farbenspiel“, das kürzlich mit 10xPlatin ausgezeichnet wurde, sodass es in Deutschland eines der erfolgreichsten Alben seit 1975 ist. Zusätzlich heimste die Ausnahmekünstlerin in der Kategorie „Hit des Jahres“ für „Atemlos durch die Nacht“ den begehrten Preis ein. In der Kategorie „Schlager“ wurde ihr der dritte Echo verliehen. Den vierten bekam sie in der Kategorie für „Musik-DVD“ für die Live-DVD ihrer „Farbenspiel“-Tournee. Die diesjährige Echo-Verleihung wird also nicht grundlos als „Helene Fischer-Festspiele“ betitelt.
Andreas Bourani musste sich zwar mit seinem zum WM-Hit gewordenen „Auf uns“ in der Kategorie „Hit des Jahres“ Helene Fischer geschlagen geben, bekam jedoch für den untrennbar mit dem Finale in Brasilien verbundenen Song den Preis in der Kategorie „Radio-Echo“ (sonst wären wohl alle Fußball- und Bourani-Fans maßlos enttäuscht gewesen).
Nana Mouskouri wurde für ihr Lebenswerk geehrt, das mittlerweile 6 Jahrzehnte an musikalischer Karriere umfasst. Ihr Laudator Til Brönner bezeichnete sie als „Weltbürgerin“ im wörtlichen Sinne und hob ihr Engagement als UNICEF-Botschafterin sowie ihren politischen Einsatz im EU-Parlament hervor (aus dem sie aber wegen zu großer „Verlogenheit“ dieser Institution wieder austrat). Sichtlich berührt betrat die Sängerin die Bühne und wurde dann von einer Videobotschaft ihres ehemaligen Produzenten Quincy Jones aus Los Angeles emotional vollends überrollt. Dieser beteuerte seine tiefe Verbundenheit und sparte nicht an „I love you“s. In liebenswert gebrochenem Deutsch versuchte die Mouskuori ihre Dankesrede zu halten, stieg aber dann doch auf Englisch um. Aus ihrer Rede sprach große Dankbarkeit und sympathische Bescheidenheit, sie widmete ihren Preis den Kindern der Welt und ihren Fans. Abgesehen vom Echo bekam die Künstlerin Standing Ovations, die wohl viel eher ausdrücken, welch große Ehrerbietung die Musik- und Medienwelt ihr entgegenbringt.
Unter den weiteren Preisträgern sind AC/DC für „Rock/Alternative international“ für ihr Album „Rock or Bust“ und Robin Schulz für „Prayer“ in der Kategorie „Dance national“. Alle weiteren Ehrungen können auf http://www.daserste.de/unterhaltung/musik/echo-2015/gewinner/index.html eingesehen werden.
Die Gala wurde zum dritten Mal von Barbara Schöneberger moderiert, die inspiriert und mit angenehmer Nüchternheit durch den Abend führte.
Wieder einmal ein Abend voller Emotionen, enttäuschter Erwartungen und Freudentränen. So ist eben das Leben, auch im Musikbusiness. Vielleicht gibt es bei der Verleihung im nächsten Jahr etwas mehr Abwechslung bezüglich der Kategorienverteilung der Preise…


Peter Gabriel wird 65

16. Februar 2015

Am 13. Februar vor 65 Jahren wurde Peter Gabriel in Chobham, Surrey Heath, geboren. Zur Freude von Generationen von Fans seiner experimentellen, leidenschaftlichen Musik.

In seinen Anfangsjahren hauptsächlich mit Genesis assoziiert, wo er von 1967 bis 1975 Leadsänger war, entwickelte sich Gabriel nach seinem Bandaustritt zu einem erfolgreichen und weltweit gefragten Solokünstler. Sein erster großer Hit, Solsbury Hill, in dem er die Trennung von Genesis verarbeitet, ist heute noch ein Ohrwurm, den man einfach kennt. Egal, ob man Peter Gabriel kennt, dieses Lied ist sozusagen Allgemeingut geworden. Diese Tatsache kann man durchaus als große Leistung anerkennen, weil sich darin ausdrückt, dass die jeweilige Musik FÜR SICH wirkt und keinen berühmten Namen braucht, um Menschen anzusprechen und in Erinnerung zu bleiben.
Um in musikalischer Erinnerung zu bleiben, tat Gabriel jedoch einiges. Er veröffentlichte von 1977 bis 2011 vierzehn Alben, darunter ein extra in deutscher Sprache aufgenommenes für den deutschen Markt (so etwas taten nicht viele Künstler, die letzten berühmten waren wohl die Beatles…). Er entwickelte sich dabei musikalisch stetig weiter und versuchte, experimentelle Elemente zu integrieren.Zum Beispiel „erfand“ er den Gated-Reverb-Schlagzeugsound für sein drittes Album: für dieses Muster wurden keinerlei Becken verwendet. Durch Phil Collins‘ Song „In the Air tonight“ wurde dieser Sound weltberühmt.
Peter Gabriel steuerte auch viele Soundtracks oder Soundtrack-Fragmente zu Film & Fernsehen bei. Beispielsweise schrieb er den Soundtrack für Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, er komponierte den Song „Down to Earth“ für den Abspann von „Wall-E“, und –unvergessen von allen Fans der Serie „Scrubs“- den wunderschönen Lovesong „The book of love“.
Peter Gabriel hat außerdem ein musikalisches Steckenpferd, nämlich die Weltmusik. Immer wieder ließ er Musiker anderer Länder in seinen Shows auftreten und verhalf ihnen so zum Start einer Karriere, außerdem schuf er das WOMAD-Festival, das seit 1982 145mal in 22 verschiedenen Ländern stattfand und Musik, Tanz und Kunst verschiedenster Kulturen zusammenbringt.
Abgesehen von seiner musikalischen Tätigkeit engagierte sich Gabriel intensiv für Menschenrechte. Er unterstützte Amnesty International und Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation Witness, die Kameras etc. für Aktivisten zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt spendet.

Peter Gabriel kann jetzt schon auf ein bewegtes, musikreiches Leben zurückblicken. Ebenso können sich seine Fans an zahlreiche Songs erinnern, die er zu ihrem Lebenssoundtrack beisteuerte. Was kann sich ein Künstler mehr wünschen, als dass sich seine Songs verselbständigen und Teil eines kollektiven Musikgedächtnisses verschiedener Generationen werden? Nicht viel. Vielleicht genügt es Gabriel. Wenn nicht, warten wir gespannt auf weitere Projekte…


Zum 80. Geburtstag von Elvis Presley

11. Januar 2015

Vergangenen Donnerstag, den 8. Januar 2015, wäre Elvis Presley 80 Jahre alt geworden. Was hätte er wohl in seiner Lebenszeit noch getan, wenn er nicht 1977 schon gestorben wäre? Hätte er noch mehr Preise, Auszeichnungen und Plätze in Halls of Fame bekommen? Bei manchen Künstlern hat man ja den Eindruck, sie hätten an ihrem Todeszeitpunkt ihren Zenit schon weit überschritten und würden, zumindest in professioneller Hinsicht, selbst in zusätzlichen Jahrzehnten Lebenszeit nichts mehr kreieren, was die Welt bewegt. Ebenso bei Elvis?

Nun, Elvis lebt, das ist unzweifelhaft. Doch ob er ohne seineElvisn frühen Tod so eine Legende geworden wäre? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist schwierig. Denn schon zu Lebzeiten tat der „King of Rock’n’Roll“ so viel, was den gesellschaftlichen Wertewandel wiederspiegelte und antrieb, dass schon sein pures weiteres Existieren wohl gereicht hätte, um Moralisten, Rassisten und sonstige Kleingeister zum Schweigen zu bringen. Abgesehen von seiner musikalischen Leistung wirkte Elvis Presley durch seine Herkunft, seinen Lebenswandel und seine Einstellung zu anderen Menschen und gesellschaftlichen Tabus.
Er freundete sich zur Zeit der noch bestehenden Rassentrennung mit seinem schwarzen Nachbarsjungen an und lernte mit ihm die Gospelmusik kennen, die ihn lange Zeit faszinieren und einen wesentlichen Einfluss auf seine spätere Interpretation von Songs haben sollte. Er gilt als einer der ersten, der „schwarze“ und „weiße“ Musik verquickte und damit den Rockabilly-Sound begründete. Damit integrierte er, zumindest auf musikalischer Ebene, zwei Gesellschaftsgruppen, die in den USA bis heute auf verschiedenen Ebenen konkurrieren, oft zum Nachteil der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe.
Auf gewisse Weise verkörpert Elvis auch den „American Dream“, weil er aus einer recht einfachen, ärmlichen Familie stammte und zum bis heute erfolgreichsten Solokünstler der Welt wurde. Er wäre eigentlich ein Zwilling gewesen, sein Zwillingsbruder wurde allerdings tot geboren. So wuchs er als Einzelkind auf, war aber keineswegs „verhätschelt“. Vielleicht liegt es an seiner Herkunft und Familiengeschichte, dass Elvis, zumindest bis zu seinem Wehrdienst in Deutschland, trotz seiner Erfolge nicht überheblich geworden war. Seine Kameraden sahen in ihm einen bodenständigen und großzügigen Menschen, er wurde während seines Wehrdiensts mit viel Lob bedacht. Überhaupt war es eine kleine Sensation gewesen, dass Elvis sich herabließ, als einfacher Soldat zu dienen anstatt in der „Unterhaltungsabteilung“ der Armee. Eben durch und durch anständig…
Anständig war bestimmt nicht sein Image in der Musikszene der 50er Jahre. Die „singende Tolle“ mit den schwingenden Hüften wurde zwar von Teenagern verehrt und begehrt, von Moralaposteln der älteren Generation aber scharf verurteilt. Dies führte dazu, dass er teilweise nur von der Hüfte aufwärts gefilmt wurde, what a pity! Man kann diesem Auftreten natürlich ein gewisses Kalkül unterstellen, denn mit Konformität wurde noch selten eine Legende geboren. Dennoch gehört Mut dazu, sich den gängigen Idealen zu widersetzen und sich zu kleiden und aufzutreten, wie man es als passend und richtig für sich selbst und das, was man auszudrücken versucht, empfindet.

So stellt sich Elvis rückblickend nicht nur als musikalisch erfolgreicher Entertainer, sondern als vielseitiger Initiator von Veränderungen und Projektionsfläche von Idealen dar. Ein braver G.I. aus ärmlichen Verhältnissen, der seine Mutter verehrte und mit seinem Hüftschwung die Welt in Aufruhr versetzte: welch gelungener Mix! Selbst wenn er in den bis heute verbleibenden Jahren seit seinem Todesdatum nichts getan hätte außer täglich sein Lieblingsfrühstück (Erdnussbutter-Bananen-Sandwich) zu sich zu nehmen, er hätte bereits genug getan, um die Welt zu verändern.